KlimaNetz Region Jena

Sonntag, 4. Mai 2014

Was ist das KlimaNetz?

KlimaNetz Region Jena ist ein klimapolitisches Netzwerk engagierter BürgerInnen und VertreterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen aus Jena und Umgebung. Das Netzwerk wurde im Frühjahr 2008 gegründet. Das Anliegen des Netzwerkes ist es, auf lokaler Ebene Aktivitäten zu entfalten, die zur Verhinderung der drohenden Klimakatastrophe beitragen. Das nächste Treffen des KlimaNetzes Jena und Umgebung findet am Dienstag, 29. Januar 2019 um 19:00 Uhr in der "Noll" statt.



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Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) über die Folgen von 1,5°C globaler Erwärmung vom 8. Oktober 2018

Sonntag, 14. Oktober 2018

Am 8. Oktober 2018 wurde vom Weltklimarat (IPCC) ein Sonderbericht mit dem vollständigen Titel „1,5°C globale Erwärmung – Der IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5°C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Bemühungen zur Beseitigung von Armut“ veröffentlicht.

Der Bericht soll vor allem die Unterschiede darstellen, wenn, wie in Paris Ende 2015 beschlossen, die globale mittlere Temperaturerhöhung gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf 1,5°C begrenzt werden kann gegenüber einer Erhöhung um 2°C. Dieser Wert wird allgemein als „Leitplanke“ betrachtet, deren Überschreitung drastische und irreversible Verschlechterungen für die Lebensbedingungen der gesamten Menschheit mit sich bringen würde. Gleichzeitig soll dieser Zwischenbericht mögliche Entwicklungspfade und Handlungsoptionen aufzeigen, die eine Einhaltung des 1,5°C-Zieles grundsätzlich noch ermöglichen. Für den Bericht wurden etwa 6.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen ausgewertet und zusammengefasst.

Eine Zusammenfassung und erste Wertung dieses Sonderberichtes wurde im Blog der Zukunftswerkstatt Jena veröffentlicht.

Willkommen in der Heißzeit

Dienstag, 7. August 2018

In Kürze soll es - wenigstens für einige Zeit - wieder abkühlen. Inzwischen überstürzen sich Hitzerekorde, die bald keine Rekorde mehr sein werden, sondern sommerlicher Alltag. Wie sich die Vegetation in Europa dabei verändert, zeigt ein eindrücklicher Film von der ESA :

Die Häufigkeit solcher Dürren wird stark zunehmen. Auf Grundlage eines Szenarios des Klimawandels (bei dem es „so weiter“ geht mit der CO2-Emission und der Erwärmung) zeigt die Veränderung der Dürrehäufigkeit in der jüngsten Vergangenheit (links) und am Ende des 21. Jahrhunderts, das viele, die dies hier lesen, wohl noch erreichen werden.

(Bildquelle aus der Veröffentlichung Spinoni et al. 2015 - hier übernommen vom Bildungsserver)

In „Wetter.de“ wird die eben genannte Veröffentlichung auf deutsch erläutert.

Wie putzig war es noch als wir nur die Eisbären bedauerten, die dem Klimawandel zum Opfer fallen. In nur einer Woche starben in einer Hitzewelle in Europa im Jahre 2003 ca. 70 000 Menschen mehr als im Durchschnitt in dieser Woche gestorben wären.

„2003 hatten wir in Europa einen Jahrhundertsommer mit 70.000 Hitzetoten. Stellen Sie sich mal vor, Terroristen würden in Europa 70.000 Menschen umbringen – wir wären bereit, den Rechtsstaat aufzugeben, nur um dagegen anzukämpfen! Bei einer extremen Hitzewelle aber zucken die Leute mit den Schultern.“ (Stefan Rahmsdorf vor dem Hitzesommer 2018)

Dieses Jahr kommen noch jene hinzu, die direkt in den Flächenbränden, Stürmen und Überflutungen bei Hitzegewittern umkommen. Die jucken uns aber immer noch so wenig wie die alltäglichen Unfallopfer, die wir hinnehmen für unsere Art zu leben. Mich erinnert das wieder sehr an die „Frösche im Hitzebad“, über die ich vor über einem Jahr schrieb.

„So wie Rauchen die Häufigkeit von Lungenkrebs erhöht, bringt uns die globale Erwärmung mehr Wetterextreme.“ (Stefan Rahmsdorf vor dem Hitzesommer 2018)

Wer noch ein wenig Gefühl dafür hat, woher die Nahrungsmittel kommen, die wir im Supermarkt kaufen, sollte sich auch nicht nur langsam Sorgen um die mit der Dürre verbundenen steigenden Preise machen... Noch ist es nur ein Witz, dass zwei afrikanische Menschen in der Wüste reden: Einer sagt: „In Europa hat die Hitze die Getreidepreise nach oben getrieben!“ - und der andere: „Wie unangenehm...“. In Europa laufen die Leute noch ziemlich unbesorgt rum (zumindest hier) und während die Frau besorgt beginnt: „Kartoffeln, Erbsen, Bohnen und Mais verkommen in diesem völlig überhitzten Klima...“ ist der Mann völlig ungerührt: „Pfff..., Fleisch ist mein Gemüse...“.

Was solls auch. Die Erde hat schon häufig starke Temperaturveränderungen durch“lebt“. Dass die Erde wieder einmal eine Art „Treibhauswelt der Kreidezeit“ erleben könnte, wurde schon 2007 vermutet. Die oben genannte Veröffentlichung bestätigt die Berechtigung dieser Sorge. Stefan Rahmsdorf spricht in einem aktuellen Interview davon, dass das IPCC „immer wieder wesentliche Entwicklungen unterschätzt“ hat, weil es nur sehr vorsichtige und von einer großen Mehrheit von Klimaforschern mitgetragene Prognosen veröffentlicht. Vieles hat sich „schlimmer als der angehommene Worst-Case“ entwickelt. Wieso wollen wir immer noch krampfhaft glauben, dass es schon nicht so schlimm werden würde? Weil nicht sein kann, weil nicht sein darf?

„Aber das Gefühl, dass wir eine sehr schlimme Zukunft vor uns haben, sickert ins Unterbewusste.“ (Stefan Rahmsdorf vor dem Hitzesommer 2018)

So langsam scheint auch die jetzige Hitze für die meisten nicht mehr nur lustigen Badespaß zu versprechen, sondern es wird von einer „Gluthölle“ gesprochen.

Die folgende Grafik (leicht ergänzt nach DWD 2017) zeigt einen Trend der durchschnittlichen Temperaturerhöhung:

Kann man sich an diesen „Wandel“ nicht auch ganz gut anpassen? Leider besteht der „Klimawandel“ eben nicht nur in einer kontinuierlichen Erderwärmung, sondern es ist zu befürchten, dass verschiedene kritische Schwellwerte überschritten werden. Bekannt ist etwa die Gefahr der Freisetzung des starken Klimagases Methan aus tauenden früheren Permafrostböden. Es droht uns also nicht nur ein „Klima-Wandel“, sondern ein „Klima-Umbruch“, dem zumindest die Ökosysteme nicht so schnell und auf eine solche Weise „folgen“ können, dass unsere hungrige Menschheit wie bisher Landwirtschaft betreiben könnte. Regionale Ausgleiche, wie jetzt, dürften dann durch die global wirkenden Umbrüche immer schlechter möglich werden. Die sozialen und politischen Folgen sind kaum absehbar. Leider lässt die Art und Weise, wie wenig sich jetzt Menschen um die ertrinkenden und in Wüsten umkommenden „Anderen“ kümmern, wenig hoffen, sondern das Schlimmste befürchten. Letztlich werden uns weder Frontex noch andere Grenzbefestigungen vor diesem globalen Umbruch unserer Lebensgrundlage schützen können.

Spätestens nach diesem Sommer können wir davon ausgehen, dass niemand mehr behaupten kann, nichts gewusst zu haben. Wir übergeben unserer Zukunft eine immer heißer werdende Erde.

(Mehr dazu hier)

Wir verlassen die „sichere Zone“ sehenden Auges.

Was hast Du in diesem historischen Sommer gemacht?

Donnerstag, 2. August 2018

Wir sollten alle Tagebuch führen. Über das Schwitzen, über den Spaß im Freibad und vor allem auch darüber, was wir uns so denken, wenn uns das Wort "Klimawandel" in den Kopf schießt.

Diesmal ist die Zusammenstellung der Meldungen aus der Website "wetter.de", die auch einen Klimablog führt. Der letzte Beitrag ist überschrieben: "Das Klima kreist aus und keinen juckts" . Die ganze Welt hat hoffnungsvoll nach Thailand geblickt, als eine Fußballmanschaft in einer Höhle gefangen war. Wen jucken die 100 000 Kinder, die wegen des außergewöhnlich heftigen Monsuns in Bangladesh in Lebensgefahr sind? Wer hier und heute glaubt, wir wären von Flüchtlingen "überschwemmt", sollte sich mal anschauen, wie Flüchtlinge, die vor unmittelbarer Lebensgefahr fliehen mussten, in diesen Regionen hausen müssen. Dort herrscht schon der ständige Ausnahmezustand, während bei uns vielen schon der Anblick von Menschen aus anderen Regionen zu viel wird... Und wer sich hier wundert, dass die Temperaturen mal wieder in die Höhe schießen, kann sich die folgende Darstellung anschauen. Der sich ausweitende Umfang des Kreises beschreibt den Temperaturanstieg. Die jetzigen Extremtemperaturen sind nichts erstaunliches, sondern zu erwarten.

Der Hitzesommer von 2003, der in Europa schätzungsweise 70 000 mehr Menschen sterben ließ, als gewöhnlich in diesem Zeitraum gestorben wären, war noch eine "Ausnahme". Das Jahr 2018 wird ins Gedächtnis eingehen "Da ging es wirklich los... - Ab da war dann nichts mehr wirklich wie vorher...". Und wir werden dann gefragt: Was habt Ihr Euch dabei gedacht? Warum seid Ihr nicht sofort aktiv geworden, um es zu verhindern oder es nicht ganz so schlimm werden zu lassen?

Familien- und Umwelttag 2018

Sonntag, 3. Juni 2018

Elektromobilität – ein Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels?

Vor einer Woche – am 26. Mai 2018 fand in Jena der Familien- und Umwelttag statt, auf dem das Klimanetz Jena und Umgebung und damit auch wir als Zukunftswerkstatt Jena in unserer Eigenschaft als Mitglied des Klimanetzes vertreten waren. Wir gestalten in jedem Jahr aus diesem Anlass ein Poster zu einem jeweils aktuellen Klima-Thema. Das Thema in diesem Jahr war die Elektromobilität. Das Poster kann an dieser Stelle heruntergeladen werden.

Weitere Erläuterungen zu diesem Poster sind im Blog der Zukunftswerkstatt Jena verfügbar.

Wen interessiert schon der Klima-Umbruch?

Samstag, 31. März 2018

In wenigen Wochen sitzen wir wieder in Jena bei einem "Vereins-, Umwelt und Radfahrtag" rum und warten auf interessierte Menschen, mit denen wir über die Veränderung des Klimas sprechen  können. Letztes Jahr lernten wir eine Frau kennen, deren afrikanischer Mann schon vor Jahrzehnten über die besondere Rolle der Frauen in prekären Umweltbedingungen berichtet hat. Jemand anders berichtete und über die gegenwärtige Situation, die sich so verschärft  hat, dass Mädchen kaum noch die Schule besuchen können, weil die Wege zu den nächsten Wasserquellen immer länger werden... 

Wen dieses Thema nicht schon von vornherein interessierte, schaute konsequent weg und suchte mit den Kindern den nächsten Stand zum Gesichtsbemalen oder Bälle-Werfen... 

Ja, es ist schon nicht einfach, zu diesem Thema ins Gespräch zu kommen, auch wenn man "zu den Leuten  hinkommt". Deshalb beschäftigen sich Leute mit dem Thema "Klimakommunikation" und geben  Ratschläge dazu. Z.B. hier:

Ein interessantes Beispiel für musikalisch Interessierte ist die Umsetzung der Temperaturkurve der letzten Jahrzehnte in musikalische Töne:

Tipps zu mehr oder weniger geeigneten Bildern zu Illustration des Klimwandels gibts hier:

Bei diesem Thema wird es, wenn es ernst wird, auch unerwartete Allianzen geben (müssen), denn vor allem

Diese düstere Vorausschau von 2009 scheint sich leider zu bestätigen...

Groko befeuert Klimawandel

Dienstag, 6. März 2018

Fernsehen bildet manchmal doch. Oder merkt man den Zusammenhang nicht? Gestern abend schaute ich eine schöne Dokumentation über die Ozeane der Erde (Titel: "Der Blaue Planet"). Gegen Ende der Sendung wurden auch das Sterben der Korallen gezeigt; ich habe zum ersten Mal gesehen, wie die farbigen Algen abgestoßen werden. Die übrig bleibenden Korallen-Polypen können später wieder durch Algen besiedelt werden, aber nur, wenn die Ursachen der Korallenbleiche verschwinden, sich die Weltmeere also nicht weiter erwärmen.

Heute dann kamen die Nachrichten mit der "guten" Botschaft, dass nach der Bereitschaft des grünen Staatssekretärs Baake, seinen Posten aufzugeben, weil er mit der Groko keinen Weg in eine einigermaßen aussichtsreiche Energiewende mehr sieht, die Aktienkurse von RWE und EON steigen. Na prima. In dieser Meldung wurde dies als gute Nachricht für die Aktionäre, die Firmen und natürlich die "Arbeitnehmer" dargestellt. Kann die Menschheit wirklich so blöd sein? Vielleicht bleibt dieses Zusammentreffen von Wissen über das Verhängis und Weigerung, es ernst zu nehmen, in den Archiven erhalten, so dass unsere Nachfahren nachlesen können, warum wir ihnen so ein schweres, kaum überlebensmögliches Erbe hinterlassen... Eine Zivilisation, die im vollen Wissen dessen, was sie da anstellt, trotzdem weiter macht, hat wohl wirklich nichts Besseres verdient! Schlimm genug, dass es zuerst Menschen, die nicht von der zerstörerischen Wirtschaftspolitik profitieren und unsere Nachkommen treffen wird, während wir so tun, als hätten wir nichts damit zu tun. Nach uns die Sündflut und der Klima-Umbruch...

Zwischen Lachen und Heulen... der Klimawandel

Samstag, 3. März 2018

Die Zeiten, in denen in den Medien verstärkt über den Klimawandel berichtet wurden, sind nach dem letzten Klima-Gipfel wieder vorbei. Es läuft alles wie immmer... Nicht wie immer war die Sendung "Die Anstalt" vom 27. Februar. Die wurde nämlich diesmal von der Mannschaft der "Enterprise" geentert, wobei vor allem Spock das, was wir auf der Erde gerade anrichten, mal nicht mehr "faszinierend" fand, sondern "tödlich". Wie kann man darüber noch Witze machen??? Das kann man sich noch ein Jahr lang anschauen in der Videothek des ZDF und sei hiermit nachdrücklich empfohlen: 


Unnormale Kältewelle?

Freitag, 2. März 2018

Ja, was denn nun? Auf der Website "wetter.de" lese ich, dass die letzten Wintertage eigentlich nur einen früher "typischen Winter" kurz wieder aufleben lassen. Trotzdem vermerkt auch dieser Bericht, dass der Klimawandel das Wetter schon verändert hat. Nämlich gerade dadurch, dass so etwas wie ein früher normaler Spätwinter so selten geworden ist. Vom Deutschen Wetterdienst kommt die dazu gehörige Grafik: 


Während also im Zeitraum zwischen 1961 und 1990 die mittleren Temperaturen in Deutschland im Februar noch winterlich waren und Mitte Februar sogar für einige Tage sanken (mit einer kalten Nordost-Strömung), verschwand seit 1991 dieses Temperaturtal und die Temperaturen schrauben sich bis Ende Februar viel schneller nach oben. Dass sich in diesem Jahr ein altes Muster wiederholt, kann aber keine Entwarnung signalisieren. Denn der Klima-Umbruch ist nicht nur mit einer langsamen Erwärmung verbunden, sondern verändert globale konkrete Wirkungsketten, die auf das Wetter einwirken. Stefan Rahmsdorf berichtet gerade davon, dass die Erwärmung der Arktis zu grundlegenden Veränderungen des sog. Jetstreams, eines Starkwindes um die Pole herum, führt, die normalerweise die kalten Luftmassen im Polarbereich festhalten. Durch die Erwärmung der Aktis ist jedoch die Temperaturdifferenz zwischen Pol und Rest der Welt nicht mehr so groß, wodurch dieser Jetstream destabilisiert wird und sog. "Polarwirbel" weiter nach Süden reichen. Diese Polarwirbel führen zu außergewöhnlichen Winter- und Schneephänomenen in südlichen Breiten. In den USA gab es dies in den letzten Jahren häufiger und diese Kältewellen werden ausgerechnet als Argument gegen den Klimawandel verwendet. Dass die "Rekordkälte in Nordamerika kein Widerspruch zum Klimawandel" ist, ergibt sich aus der Erklärung der Entstehung dieser Polarwirbel. So erträglich das alles noch ist - der Klima-Umbruch hat begonnen. Er wird die Zukunft mehr bestimmen als alles andere, was heute noch gehypt wird und was uns heute entweder von den Problemen ablenkt oder wovor wir uns heute fürchten...

Einladung zu einem Wahlpodium mit den Oberbürgermeister-Kandidaten Jenas

Sonntag, 11. Februar 2018
Das Klimanetz Region Jena in Verbindung mit dem Verein Lokale Agenda 21 Jena e. V. lädt alle am Themenkreis Klimawandel interessierten Menschen anlässlich der anstehenden Oberbürgermeister-Wahlen zu einem Wahlpodium mit den OB-Kandidaten am Dienstag, 3. April 2018 um 19.30 Uhr in das "Haus auf der Mauer" (Jena, Johannisplatz 26, Großer Saal) ein. Dabei geht es um die Frage, welchen Beitrag Jenas OB-Kandidaten zur Umsetzung der Pariser Klimaschutzziele leisten wollen. Im Detail stehen dabei folgende Fragen im Mittelpunkt:
  1. Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens von 2015 wurden die globalen Ziele der "gerade noch erlaubten" CO2-Emission bis zum Jahr 2050 vereinbart. In der Untersetzung bedeutet das, dass die CO2-Emission pro Kopf in Deutschland von heute ca. 11 t pro Jahr auf unter 2 t pro Jahr in dieser Zeit gesenkt werden müsste. Das erfordert rechnerisch Reduzierungsraten von 6...10% pro Jahr in den nächsten Jahrzehnten, und zwar jedes Jahr. Welche Vorstellungen haben Sie, diese Ziele gemeinsam mit den Jenaer Bürgern zu verwirklichen?

  2. Da in Jena und auch weltweit etwa die Hälfte des Energieverbrauchs durch die Wärmeversorgung (und zunehmend auch die Kälteversorgung) bedingt ist, wird die Wärmewende entscheidend sein. Wie ist Ihre Vision für eine künftige Wärmeversorgung in Jena ohne fossile Energieträger?

  3. Die Energiewende und auch der Klimaschutz stagnieren auch in Jena auf dem Gebiet des Verkehrs, der etwa 20% der Treibhausgaseimissionen verursacht. Wie wollen Sie zu einer Verkehrswende beitragen, falls Sie als Oberbürgermeister gewählt würden?

  4. Die Jenaer Stadtwerke versorgen ihre Kunden mit Strom aus erneuerbaren Quellen, insbesondere aus europäischer Wasserkraft. Aber nur zu einem sehr geringen Teil aus der Saale, wobei der Wasserkraftausbau in Thüringen aus ökologischen Gründen kaum noch ausbaufähig ist. Welchen Weg sehen Sie, dass wir zunehmend erneuerbaren Strom aus der Region beziehen? Oder verzichten wir auch künftig auf diese regionale Wertschöpfung in Millionenhöhe zugunsten eines Stromimports nach Thüringen?

  5. Der dramatische Klimawandel und der Verlust an Artenvielfalt weltweit wird verstärkt durch den überdurchschnittlich hohen Fleischkonsum gerade in Thüringen. Sehen Sie eine Möglichkeit hier als Stadt Jena gegenzusteuern, z. B. durch Förderung entsprechender bürgerschaftlicher Initiativen?

Die „neue Normalität“ des Klima-Umbruchs

Dienstag, 19. Dezember 2017
Erinnert sich noch jemand an den Hurrican Harvey im August diesen Jahres? Da war doch irgendwas... weit weg für die meisten. Ganz weit weg von unserem Alltag, abgesehen von der erregten Berichterstattung über eine kurze Zeit.


(Joe Webb)

Die nun erfolgten wissenschaftlichen Auswertungen sind noch viel weiter weg. Sie sind zwar durch nur wenige Klicks im Internet erreichbar, aber wen interessieren sie schon? Für die Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung war die Auswertung der wissenschaftlichen Befunde zum Hurrican Harvey (vgl. auch jw vom 15.12.2017) ein Höhepunkt.

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Klima- oder gesellschaftlicher Umbruch

Sonntag, 5. November 2017

Ein Vierteljahrhundert geht dieser Zirkus nun schon. Eine Umwelt- und Klimakonferenz jagt die nächste. Jetzt macht der Zirkus wieder mal in Deutschland halt, beim Bonner Klimagipfel 2017. Die Lage könnte nicht ernster sein. Gerade wurde mitgeteilt, dass im Jahr 2016 die CO2-Konzentration um 50 Prozent schneller stieg als im Schnitt der vergangenen 10 Jahre. Neben einem Einfluss durch den El Nino-Effekt sind dafür wieder menschliche Aktivitäten verantwortlich. Und das hat Folgen (WMO 2017). Die bisherigen Emissionen führen bereits zu einem deutlichen globalen durchschnittlichen Temperaturanstieg seit mindestens 40 Jahren: 

Und in dem Vierteljahrhundert, seitdem Bemühungen um eine Reduzierung begonnen haben, wurde nur wenig erreicht. Der Anstieg überschreitet die damals prognostizierten pessimistischsten Szenarien. Dabei ist inzwischen bekannt, dass die Folgen einer globalen Erwärmung drastischer ausfallen, als noch gedacht wurde, als das 2-Grad-Ziel ausgerufen wurde. In Paris wurde deshalb anerkannt, dass der Temperaturanstieg bei unter 1,5 Grad gehalten werden müsse, um große Schäden zu verhindern. Davon sind wir weiter entfernt als je zuvor.

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Klimawandel - aus zwei Perspektiven

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Donald Trump meint, es gäbe keinen Klimawandel, nur Wetter. Was das Wetter der letzten Jahre für einen normalen Kleinbauern in Kenia bedeutet, das filmt er zum Teil selbst für die Dokumentation „Danke für den Regen“, die vorgestern abend in ARTE gezeigt wurde. Kisilu Musyas will sich mit seiner Familie und den Nachbarn einrichten auf die Veränderungen, initiiert das Pflanzen von Bäumen und vernachlässigt über seinen Touren in Nachbargemeinden sogar die Arbeit auf den eigenen Feldern. Viel Arbeit steckt in den Pflanzungen, jeder Kübel Wasser muss zu jedem Bäumchen und Pflänzchen geschleppt werden. Als endlich die Regenzeit naht, geht der begrüßte Regen in der Nacht in ein gewaltiges Gewitter über und am Morgen ist das Land überschwemmt und die Pflanzen sind weggespült. Wir kennen diese Regengüsse inzwischen auch, aber für niemanden sind sie so unheilvoll wie für diese armen Regionen. Wieviele Bäuerinnen und Bauern trifft es ähnlich hart wie Kisilu? Er jedenfalls bekommt die Gelegenheit, zum Klimagipfel nach Paris zu fahren und dort zu berichten von seinem Leben und seinem Kampf mit den Auswirkungen des Klimawandels. Dieser kleine Mann auf so einer großen Konferenz. Fast möchte man meinen, das würde eine Erfolgsgeschichte. Aber die Realität, die ist nicht so. Während die Großen sich streiten um eine Vereinbarung, läuft Kisilu durch die Kulissen und muss sich solche Sprüche wie von Trump anhören. Viel optimistischer wird’s nicht mehr. Zu Hause erzählt Kisilu seinen Nachbarinnen und Nachbarn, welche Probleme Menschen anderswo mit dem Klimawandel haben und organisiert weiter das Pflanzen von Bäumen.

"Danke für den Regen" in der ARTE-Mediathek (bis 16. 11. 2017)

Wie schnell der Klimawandel voranschreitet, sollte inzwischen auch zum Allgemeinwissen gehören, das wir nur allzugerne immer wieder verdrängen. Wirklich erschrocken sind wahrscheinlich die Wissenschaftler in den 90ern, als sie Filme und Daten zu sehen bekommen, die Geheimdienste seit Jahrzehnten vor allem über Zustand der Arktis unter Verschluss hielten. Es gab eine Zeit, in der das Ende des Kalten Krieges tatsächlich eine Tür öffnete hin zu einer Kooperation der früheren Feinde im Interesse des Erhalts einer lebenswerten Umwelt für alle Menschen. Al Gore, der später mit seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ berühmt wurde, war auf die Idee gekommen, dass die Zeit gekommen sei, die Daten der Geheimdienste für eine wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung zu stellen. Als ich die Reportage „Die Klima-Spione“ ansah, fühlte ich mich wie in eine andere Welt versetzt. Die früheren Gegner tun sich zusammen, um einer größeren Gefahr zu begegnen. Für einige Jahre, auf einem begrenzten, aber extrem wichtigen Bereich wurde dies ab 1995 Wirklichkeit. Im Projekt „Medea“ stellten US-amerikanische wie russische Geheimdienste und Arktisforscher ihre Daten für eine wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung. Zum ersten Mal konnten die Spionagebilder aus verschiedenen Jahren zusammengesetzt werden zu einem Film, der das rasante Abschmelzen des Meereises im Arktisbereich zeigt. Und zum ersten Mal arbeiteten Wissenschaftler wie Geheimdienstmitarbeiter von früher verfeindeten Ländern fast freundschaftlich zusammen. Aber diese Zeit endete mit der Präsidentschaft von G.W. Bush und konnte später nur teilweise wieder belebt werden. Ein „Wimpernschlag in der Geschichte“ war die Welt so, wie sie hätte sein sollen, wenn alles gut werden soll.

"Die Klima-Spione" in der ARTE-Mediathek (bis 16.12.2017)

(Mehr zum Projekt Medea (Englisch): http://www.nopp.org/wp-content/uploads/2010/06/85.pdf)

Bioökonomie - der alte neue Hype zur Rettung von Kapitalismus und Welt

Mittwoch, 11. Oktober 2017
Wir waren gestern abend bei einer Veranstaltung zum Thema

Bioökonomie: Ökologische Modernisierung der imperialen Lebensweise?

Diese Veranstaltung wurde ausgerichtet von der BMBF-Nachwuchsgruppe „Bioökonomie und Soziale Ungleichheiten“ an der Universität Jena. Bioökonomie „Bioökonomie“ ist ein neuer Hype, für den es seit 2009 von der OECD und seit 2012 auch von der EU ein Strategiepapier gibt. Mit ihm soll nun endlich die Wirtschaft gleichzeitig ökologisch werden und die ökologischen Probleme wirtschaftlich profitabel gelöst werden. Bioökonomie soll Antwort auf die drängendsten Fragen der Zeit „wie sie sich etwa im Klimawandel, dem Biodiversitätsverlust, der Nahrungsmittel-verknappung und der Ressourcenübernutzung (von Öl bis zu Agrarflächen) zeigen“ (Working Paper 1: 21.) geben. Dabei soll eine Win-Win-Situation geschaffen werden. In den OECD- und den EU-Papieren unterscheiden sich der Inhalt und die Orientierung:

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Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2017

Dienstag, 1. August 2017

In einigen Wochen ist es wieder soweit: Die Bundestagswahl steht an. Nun ist in der Sommerpause der Wahlkampf noch nicht so richtig in Fahrt gekommen. Mir graut schon wieder davor, ganze Kolonnen nichtssagender Plakate entlang der Straßen und Wege ertragen zu müssen. Irgendwie komme ich mir dabei immer vor, als würden mich die werbenden Parteien mindestens für politisch naiv halten, wenn nicht gar für dumm.

Energiepolitische Argumente - Hauptsache billig!!
[copyright: sfv / mester]

Da ich mich jedoch keineswegs für dumm oder naiv halte, schaue ich mir die Aussagen der Parteien, vor allem zu den mich bewegenden Zukunftsfragen Klima und Energie genau an. Der Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV) hat freundlicherweise diesbezügliche Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2017 zusammengestellt und den Parteien zwecks Beantwortung übermittelt. Die Fragen und die Antworten sind auf der Website des SFV veröffentlicht und ich kann allen interessierten Menschen nur empfehlen, sich die Antworten anzuschauen.

Die Fragen und die zugehörigen Antworten sind jeweils einzeln so angeordnet, dass ein direkter Vergleich möglich ist. Am Ende der Seite sind die vollständigen Antworten auch als PDF-Dokument verfügbar. Viel Spaß.