KlimaNetz Region Jena

Freitag, 24. April 2020

Was ist das KlimaNetz?

KlimaNetz Region Jena ist ein klimapolitisches Netzwerk engagierter BürgerInnen und VertreterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen aus Jena und Umgebung. Das Netzwerk wurde im Frühjahr 2008 gegründet. Das Anliegen des Netzwerkes ist es, auf lokaler Ebene Aktivitäten zu entfalten, die zur Verhinderung der drohenden Klimakatastrophe beitragen. Das nächste Treffen des KlimaNetzes Jena und Umgebung ist wegen der Corona-Epidemie unbestimmt - wir informieren hier, sobald ein neuer Termin bekannt ist.



"KlimaNetz Region Jena" vollständig lesen

Termine, Termine, Termine... - und Dokumente zum Download

Freitag, 24. April 2020

Damit die Terminliste nicht immer weiter nach unten rutscht und wichtige Dokumente schnell verfügbar sind, gibts hier Links auf


Fahrradstaffel Leipzig – Brüssel: „Wir bringen den Eiffelturm nach Brüssel“ - #MakeParisReal

Sonntag, 29. November 2020

Vor fünf Jahren am 12. Dezember wurde in Paris das „Übereinkommen von Paris“ in Nachfolge des Kyoto-Protokolls ausgehandelt mit dem Ziel, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber den vorindustriellen Werten zu begrenzen. Ebenso soll die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel verbessert sowie eine konsistente Finanzierung in Bezug auf das vereinbarte Ziel gesichert werden.

Die Besonderheit dieser Übereinkunft gegenüber vorherigen Vereinbarungen besteht darin, dass jeder Vertragsstaat selber entscheidet, welchen Beitrag er zur Erreichung dieser Ziele leistet. In jedem Jahr sollen alle Beiträge erfasst und bezüglich der damit möglichen Erreichbarkeit der Ziele bewertet werden. Die bisher eingereichten Beiträge sind bei Weitem noch nicht ausreichend. Nach jetzigem Stand würden sie zu einer Erwärmung um etwa 2,7 Grad führen. Damit wird die Überschreitung möglicher Kipppunkte wahrscheinlich, welche zu irreversiblen Veränderungen des Klimas führen können. Ebenso wird an vielen Stellen die Dringlichkeit des Handelns betont [z. B. Stefan Rahmstorf]. Mögliche Entwicklungspfade, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen wurden in einem Sonderbericht des IPCC dargestellt. Diese Pfade beinhalten alle eine Beibehaltung bzw. deutlichen Ausbau der Kernenergie sowie die Anwendung technischer Verfahren zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre – allesamt hochproblematische und umstrittene technische Ansätze. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die bisherigen Anstrengungen in keiner Weise ausreichen.

Mitglieder der Leipziger Gruppe der Parents for Future (P4F) haben deshalb die Idee gehabt, die für den 10. Dezember 2020 vorgesehene Beratung der Beiträge der EU zur Erreichung der Pariser Klimaschutzziele zum Anlass zu nehmen, um „den Eiffelturm nach Brüssel“ zu bringen, und zwar in Form einer Fahrradstaffel. Heute war nun Jena der Etappenhalt. Gegen 18:30 Uhr wurde die Gruppe aus Leipzig in Jena an der Stadtkirche empfangen.

Ankunft der Fahrradstaffel Jena
Ankunft der Fahrradstaffel Jena

Eiffelturm nach Brüssel
Eiffelturm nach Brüssel

Morgen startet die nächste Etappe nach Erfurt. Unter #MakeParisReal kann die Radtour weiter verfolgt werden.

Wir streiken und ihr handelt (nicht)

Dienstag, 24. November 2020

Zu diesem Thema beteilige ich mich heute abend an der Public Climate School.

Ihr könnt dabei sein – über Youtube: https://fffutu.re/pcsYT

Vorträge bei der Public Climate School 2020

Freitag, 20. November 2020

Annette Schlemm hält wieder zwei Vorträge während der Public Climate School 2020, die von den Students 4 Future organisiert wird.

Mittwoch, 25.11.2020, 20 Uhr:

„Wieviel Zeit haben wir noch? Die noch unbequemere Wahrheit“

Donnerstag, 26.11.2020, 20 Uhr:

Nach uns die Sintflut – oder woanders?! Klimagerechtigkeit als Kernforderung in Klimakämpfen

Das gesamte Programm der PCS gibts hier.

Aktionstag für eine autofreie Innenstadt (Parking Day)

Freitag, 30. Oktober 2020

Der Aktionstag für eine autofreie Innenstadt (Parking Day) am 18.9.20 in Jena: Rückblick und sachlicher Beitrag zur Diskussion durch die Veranstaltenden

Auch die Veranstaltenden des Aktionstages autofreie Inennenstadt (Parking Day) am 18.10.20 in Jena melden sich zu Wort. Sie haben viele sachliche Argumente und Zahlen zusammengetragen, um ihr Anliegen zu erläutern. Besprochen werden u.a. die ungleiche Verteilung von Raum und Finanzen und die Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheit durch die Verkehrspolitik in Jena, die Gefahr für Verkehrsteilnehmende mangels geeigneter Infrastruktur, die extrem hohen externen Kosten etwa aufgrund von Gesundheitsbeeinträchtigungen und Umweltzerstörung durch das Autofahren, das Verfehlen der durch Jena selbst gesetzten Klimaschutzziele im Verkehrssektor sowie die durch verschiedene Studien belegte positive Auswirkung der Autofreiheit auf die Innenstadt und den Einzelhandel

Rückblick

Am 18.9.20 fand der internationale Parking Day statt. Weltweit gingen an diesem Tag Menschen auf die Straßen, um auf die ungerechte Raumverteilung in Innenstädten aufmerksam zu machen. Straßenraum wurde kurzfristig umgewidmet. Auf kreative Weise wurde gezeigt, wie öffentlicher Raum anders genutzt werden kann, als durch das Befahren oder Abstellen von Autos. Dies geschah auch in Jena. Hier schlossen sich über zehn Jenaer Umweltinitiativen und weitere Beteiligte zu einem „Aktionsbündnis Autofreie Innenstadt“ zusammen. Ein halbes Jahr lang trafen sie sich wöchentlich online, um den Parking Day in Jena vorzubereiten und zu planen. Das Ergebnis war eine mehrstündige Demonstration auf einem Abschnitt des Leutragrabens. Auf jeweils Flächen in der Größe eines Parkplatzes wurden verschiedene Workshops und Informationen angeboten, Kinderspielplätze aufgebaut, kostenlose Verpflegung bereitgestellt, Geräte wurden repariert und Fahrräder codiert, es traten Künstler*innen auf u.v.m. Statt des von manchen befürchteten Verkehrschaos herrschte eine angenehme, freundliche Stimmung, die von Passierenden genutzt wurde, um in der Innenstadt zu verweilen. Sie nahmen die verschiedenen Angebote wahr und erfuhren dabei selbst das Anliegen der Veranstaltung, indem sie erlebten, wie der öffentliche Raum in einer Weise verteilt werden kann, von der alle profitieren. Wie zu erwarten war, hat der Aktionstag allerdings eine breite Debatte ausgelöst. Uns ist es nun ein Anliegen, an dieser teilzunehmen. 

Der hohe Wert der Versammlungsfreiheit

Zunächst möchten wir auf die hohe Stellung des Rechts, sich friedlich zu versammeln, hinweisen. Als Grundrecht, das es ermöglicht, sich auch abseits der Wahlen politisch zu engagieren, nimmt es eine zentrale, die Demokratie konstituierende Rolle innerhalb unserer Verfassung ein. Auf dieser Grundlage ist es möglich, für einen Tag auf einer Straße der Jenaer Innenstadt eine Demonstration zu veranstalten. Zumal diese Straße bereits zu anderen Begebenheiten gesperrt worden ist, die nicht dem hohen Schutz des Versammlungsrechts unterlagen – und auch dabei kam es nie zu einem Verkehrskollaps oder dem massenhaften Sterben der Innenstadt (s. OTZ v. 18.9.2020, „Der Streit um eine Mobilitätswende nimmt an Schärfe zu“). Seit Jahren engagieren sich in Jena Umweltinitiativen, die im Bündnis Autofreie Innenstadt vertreten sind, ehrenamtlich und üben ihre demokratischen Teilhaberechte aus, um eine gemeinverträgliche Verkehrspolitik aktiv mitzugestalten. In vielen Redebeiträgen auf der Versammlung verdeutlichten wir unsere konkreten Forderungen zur Gestaltung einer gemeinverträglichen Verkehrswende. Aus Gründen, die so zahlreich sind, dass sie in diesem Beitrag nicht vollständig dargestellt werden können, setzen wir uns für eine autofreie Innenstadt ein.

Die ungleiche Verteilung von Raum und Finanzen

Beispielhaft sei hier zunächst die ungleiche Raumverteilung genannt. In Berlin, wo entsprechende Daten verfügbar sind, wird z.B. dem motorisierten Individualverkehr 58 % der Verkehrsfläche zugesprochen, Radfahrende erhalten nur 3 % (https://www.boell.de/de/2018/11/30/mobilitaet-gerecht-gestalten). Ein Auto, das mit 1,4 Personen besetzt ist – in Jena sind es 1,3 Personen (TU Dresden, Tabellenbericht zum Forschungsprojekt „Mobilität in Städten – SrV 2018“ in Jena, Tab. 1.2) –, hat bereits im Stehen einen Flächenverbrauch von 13,5 qm pro Person. Damit wird einem parkenden Pkw eine größere Fläche zugesprochen, als so manchem Kinder- oder Schlafzimmer. Bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Flächenverbrauch immens. Ein Bus, der zu 20 % besetzt ist, hat dabei im Stehen einen Flächenverbrauch von 2,5 qm pro Person. Bei einer Straßenbahn sind es 2,8 qm, bei einem Fahrrad 1,2 qm (https://www.zukunft-mobilitaet.net/78246/analyse/flaechenbedarf-pkw-fah…). Weiterhin werden Millionenbeträge in den überdimensionierten Ausbau von Straßen (allein für den Bau der Osttangente fallen 21 Mio. € an; https://vorhaben.jena.de/de/883389) oder die Installation von Parkleitsystemen gesteckt, die vorher niemand vermisst hatte. Dadurch werden neue Anreize für die Nutzung von Pkw geschaffen, anstatt einen sozialen, inklusiven und gerechten Verkehr zu gestalten. Dabei hat der motorisierte Individualverkehr nur ca. zu einem Drittel (34,3 %) Anteil am Verkehrsaufkommen in Jena. 35,3 % aller Wege in Jena werden zu Fuß zurückgelegt, 15,1 % mit dem Rad und 15,3 % mit öffentlichen Verkehrsmitteln (TU Dresden, Tabellenbericht zum Forschungsprojekt „Mobilität in Städten – SrV 2018“ in Jena, Tab. 5.3). Daran, dass ein Betrag, der auch nur ansatzweise in Relation zu dem tatsächlichen Anteil des jeweiligen Verkehrsmittels am gesamten Verkehrsaufkommen steht, in den Ausbau der Infrastruktur für bspw. Fahrradfahrende investiert wird, ist nicht zu denken. Wie viele Radwege könnten etwa mit 10 Mio. € gebaut werden?

Soziale Ungleichheit und fehlende Integration

Frappierend ist auch, dass Menschen, die einen sehr niedrigen ökonomischen Status haben, in Jena zu 60,5 % keinen Zugang zu einem Pkw haben. Bei Menschen mit hohem ökonomischen Status liegt dieser Wert nur bei 21,5 % (Ebd., Tab. 3.3.8 ). Entsprechend fällt die Verkehrsmittelwahl bei Menschen mit einem sehr niedrigen ökonomischen Status nur zu 16,9 % auf den motorisierten Individualverkehr, während dieser bei Menschen mit einem hohen ökonomischen Status bei 40,4 % liegt (Ebd., Tab. 5.8 ). Um auch Menschen mit einem niedrigen ökonomischen Status Zugang zur Mobilität zu gewähren, ist es also erforderlich, den öffentlichen Nahverkehr zu vergünstigen oder gar kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nicht zu vernachlässigen sind auch Gesellschaftsgruppen, die aufgrund ihres Alters oder körperlicher Beeinträchtigungen vom motorisierten Individualverkehr ausgeschlossen sind.

Die Verkehrstoten aufgrund mangelnder Infrastruktur

Außerdem sterben jeden Tag in Deutschland ca. 10 Personen bei Verkehrsunfällen. Das Fahrrad ist mittlerweile das tödlichste Verkehrsmittel. Bei 75 % aller Fahrradunfälle sind Pkw die Unfallgegner. Hier sind Fahrradfahrende nur zu 23,4 % die Hauptverursacher des Unfalls, während in 76,6 % der Fälle die Autofahrenden die Hauptschuld tragen (Statistisches Bundesamt, Kraftrad- und Fahrradunfälle im Straßenverkehr 2019, S. 8; Stern v. 10.7.19, "Das Fahrrad ist das tödlichste Verkehrsmittel", https://www.stern.de/auto/news/unfallzahlen---das-fahrrad-ist-das-toedlichste-verkehrsmittel-8793654.html; ADFC Pressemitteilung Nr. 20/19, 9. Juli 2019). Diese Tode können ganz einfach durch den Bau von Radwegen und der Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrende verhindert werden. Dies würde auch die Unfallgefahr für Fußgänger*innen erheblich senken, da sich diese nicht mehr den Weg mit Radfahrenden teilen müssten.

Die höchsten externen Kosten entstehen durch das Autofahren

Weiterhin wird die Gesundheit von Menschen und anderen Lebewesen durch Lärm und Abgase gefährdet. Dies führt auch zu Schäden in Forst- und Landwirtschaft. Andererseits führt die Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßen zu Biodiversitätsverlusten. Über Monetarisierungsansätze können versteckte „externe Kosten“, die durch Mobilität verursacht werden, sichtbar gemacht werden. Dabei zeigt sich, dass durch das Autofahren die höchsten externen Kosten im Verkehrssektor verursacht werden: In Deutschland entstehen im Verkehrssektor jährlich schätzungsweise 149 Mrd. € an externen Kosten. Davon werden 94,5 % allein durch den Straßenverkehr verursacht (Allianz pro Schiene, Externe Kosten des Verkehrs in Deutschland, 2017, S. 5 u. 19). Diese Kosten müssen wiederum von der gesamten Gesellschaft getragen werden. Die körperliche Betätigung im Langsamverkehr (Fahrradfahrende und Fußgänger*innen) stellt in der Summe hingegen sogar einen externen Nutzen für die Gesellschaft dar, da gesündere Menschen das Gesundheitssystem weniger belasten (Bundesamt für Raumentwicklung ARE, Broschüre "Externe Kosten und Nutzen des Verkehrs in der Schweiz“, 2017, S. 8 ).

Jena verfehlt die eigenen Klimaschutzziele im Verkehrssektor

Ein weiterer externer Kostenfaktor entsteht durch den Treibhausgasausstoß der Verkehrsbranche, der in Deutschland im Wesentlichen seit Jahren trotz effizienterer Technik auf konstantem Level geblieben ist (Agora Verkehrswende, Mit der Verkehrswende die Mobilität von morgen sichern, 2017). Um den Klimawandel zu verhindern und die Ziele einzuhalten, zu denen sich Deutschland 2015 im Pariser Abkommen verpflichtet hat, ist also eine Verkehrswende erforderlich. Die Folgen des weiteren Verschleppens der Umstellung auf Klimaneutralität sind bekanntermaßen dramatisch. Beispielsweise wird der Klimawandel laut Studien des „Institute for Economics & Peace“ bis 2050 bis zu 143 Mio. zusätzliche Migrant*innen hervorbringen. (Institute for Economic & Peace, Ecological Threat Register 2020, S. 4) Bis 2040 werden insgesamt 5,4 Mrd. Menschen, oder mehr als die Hälfte der voraussichtlichen Weltbevölkerung, in Ländern leben, die unter hohem oder extremem Wasserstress leiden (Institute for Economic & Peace, Global Risk Report 2020, S. 4). Auch Jena verfehlt die selbst gesteckten Klimaschutzziele im Verkehr. So wird etwa der tendenziell sinkende Kraftstoffverbrauch pro km durch die nach wie vor steigenden Zulassungszahlen in der Stadt Jena überkompensiert (ThINK, Kurzbericht zur Umsetzung des Leitbildes Energie und Klimaschutz und des Energiekonzeptes der Stadt Jena 2019, S. 31).

Eine autofreie Innenstadt ist laut Studien ein positiver Faktor für die Innenstadt

Des Weiteren möchten wir betonen, dass wir immer zu Gesprächen bereit waren, sind und sein werden. Wir haben ein Gespräch mit der Ortsteilbürgermeisterin der Innenstadt vor der Durchführung der Demonstration geführt. Wir haben uns in einem Kooperationstreffen mit der Stadtverwaltung darauf geeinigt, auf einen Teil des angemeldeten Kundgebungsort zu verzichten, um einen reibungslosen Ablauf des öffentlichen Nahverkehrs zu ermöglichen. Und wir haben in unseren Treffen die Sorgen der Initiative Innenstadt diskutiert. Allerdings haben wir uns schließlich dafür entschieden, die Demonstration auf diese Weise durchzuführen, da wir durch andere Aktivitäten und Protestformen seit Jahren für das Anliegen eintreten, ohne dass die erforderlichen Konsequenzen seitens der Stadt auch nur ansatzweise gezogen wurden. Dennoch sind wir nicht der Meinung, dass wir die Projektionsfläche des Zorns der Initiative Innenstadt sein sollten. Der Einzelhandel wird nicht von Umweltschützenden in seiner Grundlage bedroht, sondern vom Versandhandel. Menschen mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein, die auf ihren ökologischen Fußabdruck achten, bestellen weniger online, sondern unterstützen lokale Geschäfte („Think global, act local!“). Außerdem ist einer der Vorteile, die der Einzelhandel gegenüber dem Versand genießt, eine angenehme Atmosphäre in der Stadt, die zum Verweilen einlädt. Diese Atmosphäre wird nicht durch Asphaltwüsten, gesundheitsschädigendem Lärm und Abgase sowie Verkehrsstress geschaffen. Eine derartige Atmosphäre kann im Rahmen einer autofreien Innenstadt entstehen, die den Bürger*innen ausreichend Lebensraum zur Verfügung stellt. Genau diese Atmosphäre zu erzeugen, war unser Ziel. Entsprechend hoffen wir, dass die Initiative Innenstadt noch erkennen wird, dass wir nicht ihr Feindbild sind. Einige Städte haben zudem bereits vorgemacht, dass eine autofreie Innenstadt möglich ist, ohne dass der Einzelhandel davon negativ betroffen ist. Im Gegensteil steigt der Umsatz. Das zeigen Studien aus verschiedenen europäischen Ländern (vgl. El Pais v. 22.1.19, „Die Weihnachtsausgaben stiegen im Zentrum Madrids um 8,6%, verglichen mit 3,3% im Rest der Stadt“, https://elpais.com/ccaa/2019/01/21/madrid/1548096164_793728.html; Handelszeitung v. 15.4.19, Weniger Autos = mehr Umsatz für die Läden im Stadtzentrum“, https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/weniger-autos-mehr-umsatz-fur-die-laden-im-stadtzentrum). Im niederländischen Houten berichtet der Sprecher des Einzelhandelsverbandes sogar davon, dass die autofreie Innenstadt Kunden aus dem Umland anlockt (Deutschlandfunk v. 17.11.17, „Die autofreie Modellstadt“, https://www.deutschlandfunkkultur.de/houten-in-den-niederlanden-die-autofreie-modellstadt.976.de.html?dram:article_id=400037). Wir leben schließlich in einer Zeit, in der erstmals das Weltwirtschaftsforum, eine Organisation, die keinesfalls unter Verdacht steht, links-grüner Fasson zu sein, in ihrem „Global Risk Report 2020“ als die wahrscheinlichsten Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft ausschließlich ökologische Belange nennt. (World Economic Forum, The Global Risks Report 2020, Abbildung I). Somit ist es im selbsterklärten Sinne der Wirtschaft, einen ökologischen Wandel zu vollziehen. Dies beinhaltet einen gemeinverträglichen Verkehr, der in Jenas Innenstadt allerdings noch immer aufgrund ungebrochener Dominanz des Pkw fehlt.

Ausblick bei Weitblick

Natürlich ist uns bewusst, dass Konzepte erforderlich sind, wie eine inklusive, gemeinverträgliche und soziale Verkehrswende gestaltet werden kann. Für Menschen mit Beeinträchtigung, die auf ihren PKW angewiesen sind und für Lieferantenverkehr wären z.B. Ausnahmen erforderlich. Für den Lieferantenverkehr wäre auch eine Sammellogistik außerhalb der Stadt denkbar, von der aus Waren gebündelt nach Jena transportiert werden können. All diese Konzepte bestehen bereits. Wir zielen mit unseren Forderungen auf ein Konzept ab, wie es beispielsweise vom Runden Tisch für Klima und Umwelt Jena, der über den Beirat für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung Anträge in den Stadtrat einbringen kann, und in der Petition „Verkehrswende in Jena!“ (https://www.openpetition.de/petition/online/verkehrswende-in-jena-fuer-klimaschutz-und-lebensqualitaet-in-unserer-stadt) von Fridays for Future Jena ausgearbeitet worden ist. Und wer sich einmal in einer Innenstadt aufgehalten hat, die für den motorisierten Individualverkehr geschlossen war – und sei es auch nur für einen Tag im Monat, wie beim autofreien Sonntag in Brüssel –, wer erlebt hat, wie die Menschen sich dort auf den weiten Flächen begegnen können, miteinander in Austausch geraten und zusammen die zurückgewonnene Freiheit und Lebensqualität feiern, wird dieses Glücksgefühl niemals vergessen.

Aktionsbündnis autofreie Innenstadt Jena, 30.10.20

(ADFC Jena-Saaletal, Bagsharing Jena, BUND Jena Critical Mass Jena, Foodsharing Jena, Fridays for Future Jena, Greenpeace Jena, Ende Gelände Jena, Enactus Jena, Extinction Rebellion Jena, Jeninchen, Parents for Future Jena, ProVeg Jena, Reparier-Café, Scientists for Future Jena, Students+ for Future Jena, Umweltreferat Jena, Zero Waste Stammtisch Jena)

Stadtverwaltung Jena bleibt bei Maßnahmen gegen den Klimawandel weit unter ihren Möglichkeiten

Freitag, 5. Juni 2020
Der Entwurf des "Leitbilds Energie und Klimaschutz 2021-2030 für Jena", den der Klimaschutz-Beirat erarbeitet hatte, wurde von der Stadtverwaltung vor der Übergabe an die Beschlussfassung im Stadtrat in seinen Bemühungen deutlich abgeschwächt. Besonders die Vertreter*innen des Runden Tisches Klima und Umwelt, der nach der Ausrufung des Klima-Notstandes für Jena gegründet wurde, um diesem Notstand begegnen zu können, sind darüber mehr als enttäuscht. Von den ParentsForFuture Jena gibt es eine Pressemitteilung:

5. Juni 2020

Pressemitteilung der ParentsForFuture Jena Stadtverwaltung Jena bleibt bei Maßnahmen gegen den Klimawandel weit unter ihren Möglichkeiten

Der Klimaschutz-Beirat hatte Ende Januar einen Entwurf des "Leitbilds Energie und Klimaschutz 2021-2030 für Jena" beschlossen und der Stadtverwaltung übergeben. Nun nach vier Monaten hat die Stadtverwaltung den Entwurf verändert und zur Beschlussfassung im Stadtrat auf den Weg gebracht.

Die Ziele sind in der neuen Fassung jedoch stark abgeschwächt. So forderte beispielsweise der Klimaschutz-Beirat eine Senkung der bei der Wärmeversorgung der Jenaer Haushalte und des Kleingewerbes entstehenden CO2-Emissionen um 30 % gegenüber dem Wert des Jahres 2017. Dazu gab es auch konkrete Vorschläge, wie dieses Ziel zu erreichen sei.

Die Stadtverwaltung plant dagegen in diesem wichtigen Bereich nur noch mit einer Reduktion um 15 %. Um das „Leitbild Energie- und Klimaschutz“ für die kommende Dekade am Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 auszurichten, wie es der Stadtrat am 4. September 2019 beschlossen hat, müssten also in anderen Bereichen entsprechend deutlich mehr Emissionen eingespart werden. Das ist bisher nicht zu erkennen.

Die Stadt Jena verfehlt damit nicht nur ihre bisherigen Beschlüsse, sie bleibt auch weit unter ihren Möglichkeiten. Gleichzeitig verpasst sie die Chance, in den nächsten 10 Jahren Entwicklungen und Investitionen anzustoßen, die für das langfristige Ziel – netto-Null CO2-Emissionen bis 2050 – unabdingbar wären. Warum die Stadt Jena die eigenen Ziele schon vor dem Start halbieren will, bleibt unklar. Natürlich müssen konkrete Klimaschutzmaßnahmen wirksam, technisch umsetzbar und finanzierbar sein. Aber Mutlosigkeit allein ist kein Argument.

Wir als ParentsForFuture-Ortsgruppe Jena müssen leider feststellen, dass die Stadtverwaltung nicht bereit ist, der Klimakrise mit höchster Priorität zu begegnen, wie es der Stadtrat auf Drängen der FridaysForFuture vor 9 Monaten beschlossen hatte.

ParentsForFuture, Ortsgruppe Jena
Janka Vogel
janka.vogel@gmx.de

Klimastreiken trotz Corona: am 24. April!

Montag, 20. April 2020
Von wegen, streiken ginge nicht in Corona-Zeiten. Die Bewegung Fridays For Future ruft für den 24. April zu einem "Netzstreik" auf. Das heißt: öffentlich Farbe bekennen mit Plakaten, Fahnen, Kreideschrift etc., davon möglichst ein Bild machen und hochladen, außerdem die Forderungen von FFF unterstützen auf ihrer entsprechenden Webseite.

Netzstreik fürs Klima

Für Jena wurden auch Flyer erstellt, die gerne ausgedruckt und überall ausgelegt werden können, wo mensch in den nächsten Tagen im real life noch vorbeikommt.

Flyer für den Klimastreik am 24. April und darüber hinaus...

Rückblick 2019 und Ausblick 2020

Freitag, 27. Dezember 2019

Die Diskussion um die Klimakrise hat 2019 deutlich an Fahrt aufgenommen. Dazu haben viele Faktoren beigetragen, unter anderem die in diesem Jahr erlebten Wetterextreme, die vielfach dem Klimawandel zugemessen werden. In unserem unmittelbaren Erfahrungsbereich war das vor allem die Hitzeperiode in diesem Sommer, in der die bisherigen Rekorde gebrochen wurden – verbunden mit der zweiten großen Dürre in Folge. Große, für alle sichtbare Teile der uns unmittelbar umgebenden Wälder haben diesen Stress nicht überlebt; viele Bäume sind abgestorben. Feuer haben in Kalifornien in bisher nicht bekanntem Ausmaß gewütet und wüten derzeit in Australien. Brandenburg erlebte seinen bisher größten Waldbrand.

Die Erkenntnis, dass es hier Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und den erlebten Extremen gibt ist, glaube ich, vielen Menschen gegenwärtig. Bei daraus erwachsenden notwendigen Handlungen besteht jedoch überwiegend noch ein Defizit. Jedes weitere Jahr des Nicht-Handelns oder des Unzureichend-Handelns bringt uns potentiellen Kipp-Punkten und damit verbundenen irreversiblen Veränderungen ein Stück näher.

Die Bewegung Fridays for Future hat eine ihrer wesentlichen Triebkräfte genau in diesem Widerspruch zwischen eigentlich dringend notwendigem Handeln und dem Fast-Nichts-Tun der politischen Verantwortungsträger. Das von der Bundesregierung im September verabschiedete Klimapaket ist weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Festlegungen zur Windkraft sind eher ein Verhinderungs- als ein Förderprogramm.

Auch in Jena sind, vor allem auf Druck der Fridays for Future Bewegung erste Schritte vollzogen worden. Der Klimanotstand wurde festgestellt, ein Runder Tisch Klima und Energie wurde eingerichtet, vor allem um Ideen zu sammeln, was Jena als Kommune im Kampf gegen die Klimakrise tun kann. Eingerichtet wurde auch ein Klimaschutz-Beirat, um die Ideen des Runden Tisches in die Arbeit des Stadtrates einzuspeisen. Der Kampf gegen die Klimakrise befindet sich in einer kritischen Phase: Es gibt in den nächsten Jahren ein – inzwischen sehr enges – Zeitfenster, um Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität und des Klimas auszuweiten und den Ressourcenverbrauch drastisch zu reduzieren.

Welche Einflussmöglichkeiten es gibt, kann jeder selbst ausprobieren mit dem (englischsprachigen) Klimasimulator „En ROADS Climate Solutions Simulator“.

Bedienoberfläche des Klimasimulators

Das Modell bietet jede Menge über Schieberegler leicht änderbare Parameter, mit denen jeder eigene Szenarien durchspielen kann. Änderungen der Parameter werden unmittelbar in ihren Auswirkungen angezeigt. Die Bedienoberfläche ist sehr übersichtlich und schlüssig gestaltet, sodass jeder sofort starten kann. Hinter jedem Schieberegler finden sich aber noch weitere Erläuterungen und Einstellmöglichkeiten, die komplexe eigene Szenarien ermöglichen. Vielleicht nimmt sich ja jemand die Zeit, um „zwischen den Jahren“ mit dem Klimasimulator ein wenig zu spielen.

Wie dem auch sei – ich wünsche allen ein erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2020.

Bäume statt Böller

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Die Parents For Future Jena haben eine Initiative gestartet: Verzichten wir doch auf die feinstaubschleudernden Böller und unterstützen statt dessen ein Baumpflanzungsprogramm:  

Umgang mit Leugner:innen der Klimakrise

Montag, 2. Dezember 2019
Robert von der Initiative Fridays For Future in Jena stellt sein Skript zur Verfügung für

einen Workshop zum Umgang mit Leugner:innen der Klimakrise

Dankeschön!

Klimawandel in Deutschland

Dienstag, 26. November 2019

Vom Umweltbundesamt wurde ein neuer Monitoringbericht zu den Folgen der globalen Erderwärmung in Deutschland veröffentlicht. Er kann online abgerufen werden. Für Deutschland sehen die vom Logo der "Scientists For Future" bekannten Streifen so aus (S. 7):

"Das Jahresmittel der Lufttemperatur ist im Flächenmittel von Deutschland von 1881 bis 2018 statistisch gesichert um 1,5 °C angestiegen" (19), das sind 0,5 Grad mehr als als der globale Anstieg im gleichen Zeitraum. Im Diagramm dargestellt sieht die Entwicklung der Temperatur (im Vergleich zu den globalen Werten) so aus (19):


In meinem Blog verdeutliche ich einige Ergebnisse dieses Berichts.

Einladung zur Climate Public School

Montag, 25. November 2019
Diese Woche findet in vielen Hoch- und Fachschulen die "Climate Public School" statt. Statt ganz normal für die berufliche Zukunft im real existierenden Kapitalismus zu büffeln, wollen Studierende sich diesmal Fragen widmen, die da keine Rolle spielen, für sie aber existenziell wichtig sind oder in ihrer Lebenszeit wahrscheinlich noch werden. Deshalb rufen die Students for Future zur Beteiligung an dieser "Climate Public School" auf - auch die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen.

Für Jena kann das Programmheft hier aufgerufen werden. Reiner und ich von der Zukunftswerkstatt Jena gestalten einen Workshop am Mittwoch, 27.11. ab 18 Uhr im Hörsaal 5.

Vielleicht sehen wir uns ja da...

Vortrag zu naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Am Dienstag trug Ralf Carl von der AG Bildung der Ortsgruppe Jena der Bewegung "Extinction Rebellion" (XR) vor Studierenden der Uni Jena über die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels vor.

Die Folien des Vortrags sind hier veröffentlicht.

Wahlprüfsteine zum Klimaschutz zur Landtagswahl in Thüringen am 27. Oktober 2019

Sonntag, 6. Oktober 2019
Die Parents for Future- Gruppe in Erfurt hat im Vorfeld der Landtagswahlen in Thüringen am 27. Oktober 2019 die für diese Landtagswahl zugelassenen 18 Parteien befragt, wie sie zu den Forderungen der Fridays for Future-Bewegung stehen. Dazu wurden diesen Parteien folgende Aussagen mit der Bitte um eine Bewertung und Rückinformation übermittelt:
  1. Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist eine ernsthafte Bedrohung, die bei allen politischen Entscheidungen vorrangig zu berücksichtigen ist.
  2. Ab 2035 dürfen nur so viel Treibhausgase ausgestoßen werden, wie durch natürliche Prozesse (Wachstum von Pflanzen, etc.) wieder aufgenommen werden können (Nettonull).
  3. Der Kohleausstieg, also die Abschaltung aller Kohlekraftwerke, muss bis 2030 erfolgen.
  4. Deutschland muss bis 2035 seinen gesamten Energiebedarf durch erneuerbare Energien decken. Das beinhaltet auch die Energie für Transport und Wärme-Erzeugung.
  5. Die Subventionen für die Förderung, Verarbeitung und Nutzung fossiler Energieträger (Kohle, Öl und Gas) müssen bis Ende 2019 beendet werden.
  6. Bis Ende 2019 muss ein für den Klimaschutz angemessener Preis für alle Treibhausgasemissionen sozial gerecht eingeführt werden.
Jede Aussage konnte mit Ja oder Nein beantwortet werden. Zu jeder Frage gab es darüber hinaus ein Freitextfeld, in dem die jeweilige Bewertung erläutert werden konnte. Insofern gab es für die Parteien auch gewissen Spielraum vom reinen Ja oder Nein abzuweichen. Ergebnisse der Befragung Ein Überblick über die gegebenen Antworten in Form einer grafischen Darstellung wurde bereits veröffentlicht. Die Antworten im Detail sind an dieser Stelle einzusehen. Einige der übermittelten Antworten sind jedoch von solcher Art, dass ein Abgleich mit wissenschaftlich begründeten Fakten angebracht ist. In diesem Fakten Check sind deshalb zu einigen ausgewählten Antworten die Fakten dargestellt und die Quellen für die dargestellten Fakten zur weiteren Überprüfung angegeben.